Die Nacht im Rifugio Saoseo ist eher schlaflos, und als um Viertel vor sieben der Wecker klingelt, wachen wir verspannt auf. Um 7 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Es gibt Birchermüesli, Kaffee, Orangensaft und Brot mit Käse und Erdbeerkonfitüre. Als wir danach vor die Hütte treten, leuchtet über Lungacqua nur der oberste Grat im ersten Sonnenlicht, und auf der Wiese liegt Reif.
Unser Plan ist, zur goldenen Stunde am Lagh da Saoseo zu sein und den See in diesem besonderen Licht zu fotografieren. Von der Hütte sind es nur etwa 15 Minuten bis zum Ufer. Als wir ankommen, erinnert das Licht aber eher an die blaue Stunde. Der See liegt in einer bewaldeten Mulde, und die Berge und der Wald verdecken die Sonne noch. Nur die verschneiten Gipfel im Westen über dem Wald am anderen Ufer bekommen schon Sonne.
Über den gefrorenen Waldweg zum Lagh da Val Viola
Also wandern wir weiter zum Lagh da Val Viola und nehmen dafür den längeren Weg, für den wir anderthalb Stunden brauchen. Der Waldweg ist gefroren, es dürfte etwa minus ein Grad sein. Er ist sehr schön und führt wieder durch gelb gefärbte Lärchenwälder. Zwischen den Nadeln am Boden entdecken wir einen Fliegenpilz.
Der Lagh da Val Viola liegt auf 2159 Metern im obersten Teil des Tals, das hier selbst Val Viola heisst. Mit gut neun Hektaren ist er der grösste See im Val da Camp, fast viermal so gross wie der Lagh da Saoseo, aber weniger bekannt. Eine kleine Insel ist über einen Damm erreichbar. Gestaut werden der Lagh da Val Viola und der Lagh da Saoseo von den Blöcken eines Bergsturzes aus der späten Eiszeit und von Moränen. Über dem See liegt der Pass da Val Viola an der Grenze zu Italien, und auf der italienischen Seite gibt es einen zweiten See mit fast demselben Namen, den Lago di Val Viola.
Der See ist sehr ruhig, und wieder spiegeln sich die Lärchenwälder und die Berge im Wasser. Im Westen steht die Felspyramide des Corn da Mürasciola, links dahinter liegen die verschneiten Gipfel und Gletscher der Berninagruppe. Auf einem schmalen Pfad, der weiss-rot-weiss markiert ist, gehen wir am Ufer entlang auf die Nordseite. Dort stellen wir uns mit Markus und Sabrina an einem Kiesufer für ein Foto auf. Es ist schon fast 11 Uhr und damit beinahe Mittag, also picknicken wir am See.
Ein Bad im Lagh da Saoseo
Danach machen wir uns auf den Weg zurück zum Lagh da Saoseo, wo wir baden gehen. Der See hat keinen oberirdischen Zufluss, er wird von Grundwasser gespeist und ist deshalb so klar. Am Grund sieht man grosse Felsblöcke und versunkene Baumstämme, und für seine geringe Fläche ist er erstaunlich tief, an der tiefsten Stelle sind es 17 Meter. Am Ufer machen wir zu viert noch ein Foto, und jemand von uns steht dafür Kopf. Inzwischen scheint die Sonne auf den See, und das Wasser leuchtet türkis.
Nicolas lässt die Drohne steigen und macht über dem See ein Panorama. Heute ist der Himmel blau, und hinter dem See stehen die frisch verschneiten Zacken der Scima da Saoseo.
Zurück nach Sfazù und nach Hause
Dann gehen wir noch einmal zur Alp Camp und essen wieder Bündner Nusstorte und Aprikosenwähe, dazu gibt es Kaffee, heisse Schokolade und Eistee.
Für den Rückweg nach Sfazù nehmen wir die Naturstrasse, die durch das Tal hinunterführt. Die Hütte gibt für die Strasse von Sfazù hinauf eine Stunde und eine Viertelstunde an, für den Wanderweg vom Vortag zwei Stunden. Das Val da Camp ist rund sieben Kilometer lang und fällt vom Pass da Val Viola auf 2432 Metern bis nach Sfazù auf 1622 Metern ab. Als ruhige, abgeschiedene Gebirgslandschaft mit vielen Bergseen steht es im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. In Sfazù steht unser Auto, wo wir es gestern geparkt haben.
Von dort fahren wir zweieinhalb Stunden bis Chur. Ab Chur brauchen wir noch einmal zweieinhalb Stunden bis nach Basel, mit einem Halt zum Essen im Zürcher Hauptbahnhof.
Kommentare
Fragen, Tipps oder einfach ein Gruss: Wir freuen uns über jede Nachricht.