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Das Matterhorn spiegelt sich im Eis des gefrorenen Riffelsees, links eine Felswand

Vom Gornergrat am gefrorenen Riffelsee vorbei zur Riffelalp

Mit dem Zug von Basel nach Zermatt, mit der Gornergratbahn hinauf und zu Fuss am gefrorenen Riffelsee vorbei über den Riffelberg hinunter zur Riffelalp.

Kurz & knapp

Nach einer Halloweenparty fährt Nicolas mit seinem Freund Julian früh am Morgen mit dem Zug nach Zermatt. Mit der Gornergratbahn geht es hinauf auf den Gornergrat und zu Fuss über den gesperrten Wanderweg zum Riffelsee, wo Nicolas baden möchte. Der See ist gefroren. Über verschneite Wiesen und einen vereisten Pfad steigen die beiden zur Riffelalp ab, mit dem Matterhorn hinter gelben Lärchen.

Inhalt 3 Abschnitte
  1. Mit der Gornergratbahn auf den Gornergrat
  2. Zum gefrorenen Riffelsee
  3. Über den Riffelberg zur Riffelalp

Nach einer Halloweenparty heisst es am Samstag früh aufstehen. Nicolas ist heute mit seinem Freund Julian unterwegs. Auf unserem letzten Ausflug nach Graubünden waren noch nicht alle Lärchen gelb. Jetzt versuchen wir unser Glück nochmals, diesmal in Zermatt.

Um 6:30 Uhr fahren wir in Basel SBB mit dem EuroCity nach Domodossola ab. Der Zug ist sehr voll, weil ein Wagen nicht angehängt wurde. Selbst Leute mit Sitzplatzreservation haben keinen Sitz mehr. Um 8:31 Uhr sind wir in Visp. Weil die Matterhorn Gotthard Bahn im Mattertal bis zum 9. November unter anderem Brücken, Stationen und Bahnübergänge erneuert, geht es mit dem Ersatzbus weiter nach Täsch.

Zermatt ist autofrei. Wer mit dem Auto kommt, parkt in Täsch, fünf Kilometer vor dem Dorf. Mit dem Shuttle-Zug sind es noch zwölf Minuten bis Zermatt. Statt Autos fahren im Dorf bewilligte Elektrofahrzeuge, und alle Fahrzeuge dürfen höchstens 20 km/h fahren.

Mit der Gornergratbahn auf den Gornergrat

Die Talstation der Gornergratbahn liegt direkt gegenüber dem Bahnhof Zermatt. Um 10 Uhr fahren wir hinauf. Das GA gilt auf dieser Bahn nicht, aber wer eines hat, zahlt die Hälfte. Für die Fahrt hinauf sind das 33 Franken. Seit dem 20. August 1898 fährt die Bahn auf den Gornergrat, als erste elektrische Zahnradbahn der Schweiz.

Schon aus dem Zug ist die Aussicht wunderschön. Zuerst fahren wir durch gelbe Lärchen, dann durch hochalpine Landschaft, und die ganze Zeit sehen wir das Matterhorn. Es ist 4478 Meter hoch, und über seinen Gipfel läuft die Grenze zu Italien. Geologisch gilt der Berg als ein Stück Afrika mitten in Europa. Sein Gipfel besteht aus Gneis, der ursprünglich zur afrikanisch-adriatischen Platte gehörte.

Mit der Gornergratbahn hinauf · 2 Bilder

Um 10:33 Uhr sind wir auf dem Gornergrat auf 3089 Metern. Wir haben bestes Wetter, keine Wolken, nur strahlenden Sonnenschein. MeteoSchweiz misst hier an diesem Tag 8 Stunden und 55 Minuten Sonne, so viel, wie überhaupt möglich ist. Über der Station steht das Kulmhotel mit seinen zwei Sternwartenkuppeln. Es gilt als höchstgelegenes Hotel der Schweizer Alpen.

Wir geniessen die Aussicht. Laut der Gornergrat Bahn sieht man von hier 29 Viertausender. Im Südosten stehen der Monte Rosa mit der Dufourspitze, mit 4634 Metern der höchste Gipfel der Schweiz, und daneben der Liskamm. Darunter liegt der Gornergletscher. Nach dem Grossen Aletschgletscher ist er der zweitgrösste Gletscher der Schweiz.

Auf dem Gornergrat treffen wir einen FPV-Drohnenpiloten, auf YouTube @VISMAFPV. Mit seiner Long-Range-Drohne fliegt er von hier eine Runde über 17 Kilometer.

Auf dem Gornergrat · 3 Bilder

Zum gefrorenen Riffelsee

Vom Gornergrat gehen wir zu Fuss hinunter zum Riffelsee. Der Wanderweg ist schon gesperrt, und es liegt Schnee. Ein Wegweiser ist mit Absperrband abgeklebt. Wir gehen den Weg trotzdem. Unterwegs fliegt Nicolas noch eine Runde mit der Drohne. Unter ihr liegen der Riffelsee und die Haltestelle Rotenboden der Gornergratbahn.

Mit der Drohne zwischen Gornergrat und Riffelsee · 4 Bilder

Wir machen viele Fotos, auch von uns vor dem Matterhorn. Zermatt Tourismus nennt es den meistfotografierten Berg der Welt. Von der Toblerone-Packung musste das Matterhorn 2023 verschwinden. Weil der Hersteller Mondelez einen Teil der Produktion in die Slowakei verlegte, durfte die Packung den Berg nach den Swissness-Regeln nicht mehr zeigen. Unterwegs picknicken wir mit Blick auf den Gornergletscher und hinunter auf den Riffelsee. Es gibt fertige Sandwiches aus dem Coop. In der Sonne ist es warm, obwohl die Messstation auf dem Gornergrat über Mittag nur knapp über null Grad misst.

Auf dem Weg zum Riffelsee · 2 Bilder

Nicolas hat extra die Badehose eingepackt. Nach der warmen Wanderung in der Sonne möchte er sich im Bergsee vor dem Matterhorn mit einem kurzen Bad abkühlen. Doch der Riffelsee ist schon gefroren. Er liegt auf 2757 Metern, ist rund 100 Meter lang und hat keinen Abfluss. Auf dem Gornergrat stieg die Temperatur vom 21. bis zum 24. Oktober nie über null Grad, am 24. fiel sie auf minus 12 Grad.

So geniessen wir eben die Aussicht vom gefrorenen Bergsee auf das Matterhorn, das sich im Eis spiegelt. Für Fotos gehen wir auch aufs Eis. Es hält erstaunlich gut. In der Mitte ist das Eis aber dünner, und als wir dort stehen, bilden sich ein paar Risse. Also gehen wir wieder etwas Richtung Ufer.

Über den Riffelberg zur Riffelalp

Vom See wandern wir weiter Richtung Riffelberg. Es geht über verschneite Wiesen, aber der Schnee liegt erst etwa 15 Zentimeter hoch. Mit seinen hohen Wanderschuhen kommt Nicolas gerade noch gut durch. Julian hat niedrige Wanderschuhe und bald Schnee in den Socken. Auf den Riffelberg wanderte im August 1878 auch Mark Twain. In seinem Buch «A Tramp Abroad» macht er daraus eine Expedition mit 205 Teilnehmern, die Kühe mitgezählt. Auf dem Riffelberg steht das Riffelhaus. Laut dem Hotel wurde es 1853 und 1854 gebaut und war mit 18 Betten damals das höchste Hotel Europas, und von hier aus erreichten Bergsteiger am 1. August 1855 zum ersten Mal die Dufourspitze.

Vom Riffelberg wandern wir weiter zur Riffelalp. Auch dieser Wanderweg ist schon gesperrt, und das mit gutem Grund. An den Hängen im Schatten liegt etwas Schnee, der schon gefroren und sehr rutschig ist. Auf der einen Seite des Pfads geht es jeweils steil hinunter. Wir versuchen, mit einem Fuss immer auf einer Stelle ohne Schnee zu stehen, die nicht rutscht. Meistens gelingt das, aber ein paar Mal wird es gefährlich. Wir kommen heil unten an. Unterwegs fotografieren wir das Matterhorn hinter den gelb-orangen Lärchen, es ist wunderschön.

Auf dem Weg hinunter zur Riffelalp · 2 Bilder

Als wir bei der Riffelalp ankommen, geht die Sonne schon unter. Deshalb fahren wir von dort mit der Gornergratbahn zurück nach Zermatt.

In Zermatt gehen wir noch etwas durchs Dorf und schauen uns die vielen Geschäfte mit Luxusuhren an. Uns kommt es vor, als wären die teuersten Marken der Schweiz alle vertreten. An der Bahnhofstrasse gibt es etwa Boutiquen von Rolex, Omega, TAG Heuer und Zenith.

Danach machen wir einen Abstecher in die Bäckerei Fuchs. Nicolas kauft ein Zermatter Bergführerbrot, 400 Gramm für 13 Franken. Ein Drittel davon sind frische Walliser Äpfel, dazu kommen Mandeln, Sultaninen, Feigen, Birnenbrand, Kakao und Zimt, und es ist vegan. Laut der Bäckerei wird es von Hand gemacht, und die Herstellung dauert über 24 Stunden. Zusätzliches Wasser kommt keines dazu, saftig machen es die frischen Früchte. Aus dem Erlös des Brots spendet die Bäckerei jedes Jahr 1000 Franken an die Young Mountain Guides Foundation, die in Zermatt Kinder und Jugendliche im Berg- und Schneesport und angehende Bergführer fördert. Das Brot schmeckt sehr lecker.

Im Dorf zeigt das Matterhorn Museum Zermatlantis das Seil der Erstbesteigung. Am 14. Juli 1865 standen Edward Whymper und sechs Begleiter als Erste auf dem Matterhorn. Beim Abstieg stürzten vier von ihnen in den Tod, und das Seil zu den drei anderen riss. Laut Zermatt Tourismus stellte der Seilhersteller Mammut 2005 ein gleiches Hanfseil her. Es hält nur rund 300 Kilogramm, viel zu wenig für vier Männer.

Mit dem Zug fahren wir nach Täsch und von dort mit dem Ersatzbus nach Visp. Der Bus ist schneller als geplant, und wir müssen eine Stunde auf unseren Zug warten. Also gehen wir in den McDonald’s, fünf Minuten vom Bahnhof entfernt. Nicolas isst einen McVeggie mit Pommes und Cola. Dann fällt unser Zug um 18:54 Uhr nach Bern wegen eines Türdefekts aus. Zum Glück fährt eine gute halbe Stunde später, um 19:27 Uhr, ein Zug ohne Umsteigen bis Basel.

Sehr müde und erschöpft kommen wir in Basel an, nach einem sehr erfüllten Tag mit der schönsten Landschaft der Schweiz.

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