Heute ist Nicolas ohne Annina unterwegs, zusammen mit seinem Kollegen Julian. In Basel und Zürich ist es trüb, in Graubünden soll die Sonne scheinen. Dort hoffen wir zwei, die gelben Lärchenwälder noch einmal zu sehen.
Um 7:04 Uhr nehmen wir in Basel SBB den IC nach Zürich. Dort frühstücken wir und kaufen Sandwiches für unterwegs. Um 8:38 Uhr geht es weiter nach Chur, und um 9:58 Uhr steigen wir in den Zug der Rhätischen Bahn Richtung St. Moritz. Ab Thusis fährt er auf der Albulabahn, die seit 1903 ins Engadin führt und seit 2008 zum UNESCO-Welterbe gehört.
Über das Landwasserviadukt
Die Fahrt nach Bergün ist sehr schön. Kurz vor Filisur fährt der Zug über das Landwasserviadukt. Es ist 65 Meter hoch und 142 Meter lang und endet direkt in einer Felswand, in der die Strecke im Landwassertunnel verschwindet. Weil das Viadukt in einer Kurve liegt, sehen wir durchs Fenster vorne die Lok in den Tunnel fahren und hinten unsere eigenen Wagen über den Pfeilern.
Die Lok trägt auf der Seite das Bild eines langen roten Zugs auf einem Viadukt und die Aufschrift «Weltrekord-Fahrt 29. Oktober 2022». An jenem Samstag stellte die Rhätische Bahn hier einen Weltrekord auf, laut Guinness World Records mit dem längsten Reisezug auf Schmalspur. 25 Triebzüge mit zusammen 100 Wagen, 1906 Meter lang, rollten von Preda bis Alvaneu.
Um 11:12 Uhr sind wir in Bergün, auf 1373 Metern. Gleich nach dem Aussteigen leuchtet ein Baum orange in der Sonne.
Am Dorfausgang Richtung Preda beginnt der Vitaparcours von Bergün, 2.6 Kilometer mit 15 Posten für Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer. Unser Weg folgt ihm ein Stück. An den Ringen machen wir Klimmzüge, am Barren aus Holz Trizeps-Dips, dann geht es weiter in den Wald.
Den Viadukten entlang nach Preda
Von Bergün nach Preda führt der Bahnerlebnisweg Albula der Bahn entlang, mit Infotafeln zur Albulabahn. Zwischen den beiden Bahnhöfen liegen 416 Höhenmeter und gut fünf Kilometer Luftlinie. Damit die Steigung nie über 35 Promille kommt, windet sich die Bahn auf zwölf Kilometern durch zwei Kehrtunnels und drei Kreiskehrtunnels und überquert die Albula auf vier Viadukten.
Kurz nach halb eins fährt ein roter Zug über ein niedriges Viadukt, unter dessen Bogen die Strasse hindurchführt. Davor überquert die Strasse auf einer gemauerten Brücke die Albula. Weiter oben geht der Weg durch Lärchen und Fichten, und neben dem Pfad rauscht der Bach über die Steine. Die Lärchen sind schon gelb. Die Lärche ist der einzige einheimische Nadelbaum, der im Herbst gelb wird und seine Nadeln abwirft, laut Graubünden Ferien am kräftigsten um Mitte Oktober.
Kurz nach eins kommt ein ganz anderer Zug über ein hohes Bogenviadukt. Hinter einer Lok in Blau und Elfenbein folgen der Speisewagen «Gourmino» aus den 1930er-Jahren, weitere blaue Wagen, ein Wagen aus braunem Holz und ein gelber offener Aussichtswagen.
Eine knappe halbe Stunde später fährt wieder ein roter Zug über einen steinernen Bogen hoch über der Schlucht.
Unterhalb von Preda wird das Tal flach. Ein Bach fliesst durch eine Ebene mit trockenem Gras, und über dem Wald stehen zwei spitze Berge, links die Pyramide des Piz da las Blais, rechts der Dschimels mit seinem doppelten Gipfel. Sein Name kommt vom rätoromanischen Wort für Zwillinge. Im Wald danach entdecken wir einen Fliegenpilz zwischen den Nadeln.
Am Lai da Palpuogna
Von Preda, wo die Bahn auf 1789 Metern im Albulatunnel verschwindet, führt der Weg weiter hinauf zum See, der knapp 130 Meter höher liegt. Kurz vor halb drei stehen wir am Nordwestende des Lai da Palpuogna, auf Deutsch Palpuognasee. Er liegt schon im Schatten des Piz Palpuogna, der südwestlich über dem See steht. Im stillen Wasser spiegeln sich die gelben Lärchen und die Gipfel, und am Ufer sehen wir die Steine am Grund.
Der See liegt auf 1918 Metern und ist rund 500 Meter lang. 2007 wurde er in einer Umfrage von SF 1 zum schönsten Flecken der Schweiz gewählt. Seit 1898 liefert er Wasser für das Kraftwerk in Preda, das zuerst Strom für den Bau des Albulatunnels erzeugte. Baden ist verboten. Hier hat Mika, ein anderer Kollege von Nicolas, 2024 seine Drohne versenkt. Sie liegt wohl noch immer am Grund.
Bis zum Zug sind es noch zwei Stunden. Wir hängen eine kleine Schlaufe von etwa vier Kilometern an, weiter weg von Preda und vom See. Östlich des Sees kommen wir an einer Riedwiese mit goldenem Gras und an einem Bach zwischen Sträuchern in Herbstfarben vorbei. Talabwärts sehen wir den Piz Ela. Er ist 3339 Meter hoch und gibt dem Parc Ela seinen Namen, zu dem auch der See gehört.
Kurz nach vier sind wir zurück am Bahnhof Preda. Hinter dem Bahnhofsgebäude aus Holz führen zwei Portale in den Berg. Das Gleis führt ins linke, vor dem rechten stehen Baufahrzeuge. Im Juni 2024 wurde der neue Albulatunnel eröffnet, der alte von 1903 wird zum Sicherheitstunnel umgebaut. Um 16:29 Uhr fahren wir nach Chur und von dort mit dem IC nach Zürich.
Um 19:24 Uhr sind wir am Zürich HB. Bis zum Zug nach Basel gehen wir zu mit&ohne, dem Döner, den Gault&Millau 2024 «Zürichs Hype-Döner» nannte. Seit Sommer 2025 gibt es ihn neben dem Lokal am Lochergut auch im Hauptbahnhof, in der Halle Löwenstrasse beim Abgang zu den Gleisen 31 bis 34. Das Brot backen sie selbst und frisch. Der Döner ist richtig fein, für uns bisher der beste in der Schweiz.
Um 19:58 Uhr fahren wir mit dem IC weiter und sind um 20:58 Uhr in Basel. Hier hat es fast den ganzen Tag geregnet. MeteoSchweiz misst in Basel-Binningen rund 20 Millimeter Regen und keinen Sonnenschein.
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