Reisen · 28. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit
Über den Aletschgletscher zur Konkordiahütte
Als Geburtstagsgeschenk geht es für zwei Tage aufs Eis: von Grindelwald hinauf aufs Jungfraujoch und von dort mit Bergführer Richie über Firn, Blankeis und Moräne zur Konkordiahütte. Nach einer Nacht mit Blick auf Jungfrau und Eiger klingelt der Wecker um fünf, und wir wandern in der Morgenkälte über den längsten Gletscher der Alpen zum Märjelensee. Zwei Tage, die sich anfühlen wie eine kleine Expedition.
Manche Geschenke kann man nicht einpacken. Zu Anninas Geburtstag hat sich Nicolas deshalb etwas anderes überlegt: zwei Tage auf dem Grossen Aletschgletscher, dem längsten und mächtigsten Eisstrom der Alpen. Am Sonntag reisen wir nach Grindelwald, dem Ausgangspunkt der ganzen Geschichte. Am Abend essen wir im Restaurant Pinte, wo es richtig lecker ist und wir uns in aller Ruhe auf die kommenden Tage einstimmen. Übernachtet haben wir im Hotel Residence: eher älter und etwas in die Jahre gekommen, aber völlig in Ordnung, und am Morgen gibt es eine feine Frühstücksbox zum Mitnehmen.
Mit dieser Box im Rucksack fahren wir am Montag hinauf aufs Jungfraujoch. Auf 3454 Metern ist die Luft dünn und der Wind kalt, während unten im Tal Hochsommer herrscht. Wir nehmen uns Zeit für die Rundtour mit allen Viewpoints, stehen lange am Fenster über dem Gletscher und laufen durch die Eisgrotte, in der die Wände blau leuchten und der Boden spiegelglatt ist. Es war hammer, und wir wissen in diesem Moment noch nicht, dass wir dieses Eis wenig später unter den eigenen Füssen haben werden.
Denn genau hier ist der Treffpunkt mit Richie, unserem Bergführer für die kommende Zweitagestour. Wir bekommen Steigeisen und Klettergurt, er zeigt uns, wie man beides richtig anlegt, erklärt Seil, Knoten und was zu tun ist, wenn jemand einbricht. Dann stehen wir zu dritt am Seil und gehen los, hinaus aufs Nährgebiet des Gletschers. Der Schnee ist noch fest von der Nacht, und die einzigen Geräusche sind unsere Schritte und das Seil, das über den Firn schleift.
Je weiter wir absteigen, desto weniger Schnee liegt, bis wir irgendwann auf blankem Eis laufen. Die Steigeisen beissen sich mit einem satten Knirschen fest, und plötzlich sieht man, was unter der weissen Decke steckt: Spalten, Rinnen, geschliffene Wellen und ein Blau, das aus der Tiefe zu kommen scheint. Richie sucht die Linie, wir folgen ihm in seinen Spuren.

Am Rand wird das Eis dann von Gletschermoräne und Steinschutt abgelöst. Wir balancieren über lose Blöcke, bis wir am Fuss der berühmten Treppe stehen: gut 550 Stufen führen an der Felswand hinauf zur Konkordiahütte. Sie sind der sichtbarste Beweis dafür, wie stark der Gletscher geschrumpft ist. Als die Hütte gebaut wurde, lag sie fast auf Höhe des Eises, heute klebt sie hoch über dem Gletscher, und die Treppe musste immer wieder verlängert werden. Stufe für Stufe, mit schweren Beinen und dem Gletscher im Rücken, ist der Aufstieg richtig abenteuerlich.

Oben auf knapp 2850 Metern werden wir mit einem Abendessen belohnt, das nach diesem Tag doppelt so gut schmeckt. Wir haben ein Doppelzimmer mit Blick auf Jungfrau und Eiger, und als die Sonne verschwindet, wird es draussen vollkommen still. Kein Auto, kein Dorf, kein Licht, nur der Konkordiaplatz, auf dem vier Firnströme zum grossen Aletschgletscher zusammenfliessen, und darüber ein Himmel voller Sterne.
Um 05:00 klingelt der Wecker. Frühstück in der noch dunklen Stube, Steigeisen und Gurt anziehen, und um sechs Uhr stehen wir wieder angeseilt auf dem Eis, diesmal Richtung Fiesch. Die ersten Sonnenstrahlen erwischen zuerst nur die Grate hoch über uns und färben sie orange, während wir unten noch im kalten Blau des Schattens laufen.

Stundenlang wandern wir über den Gletscher, immer den dunklen Mittelmoränen entlang, die wie Fahrspuren durch das Eis ziehen. Der Massstab hier oben ist schwer zu fassen: Was aussieht wie ein kurzer Spaziergang bis zur nächsten Felsnase, dauert eine halbe Stunde. Erst am Rand, wo der Gletscher an die Felsen stösst, tauchen wieder erste Gräser und Sträucher auf, dazwischen Bäche aus Schmelzwasser. Beim Märjelensee verlassen wir das Eis endgültig, und wir schauen noch lange zurück auf den Weg, den wir gekommen sind.

Vom Märjelensee bringen uns Gondel und Zug zurück nach Basel, und der Wechsel könnte kaum grösser sein: Am Morgen noch Steigeisen an den Füssen, am Abend wieder daheim auf dem Sofa. Zwei Tage, die sich angefühlt haben wie eine kleine Expedition mitten in der Schweiz, und das wohl schönste Geburtstagsgeschenk, das man nicht in Papier einwickeln kann.
Das könnte dich auch interessieren
Reisen · 17. Februar 2024
Die Rückreise in die Schweiz
Wir starten heute früh, bereits um 6 Uhr schaufeln wir das Auto frei, denn es hat nachts wieder geschneit. Die Fahrt zum Fährhafen verläuft trotz schneebedeckten Strassen gut und die Fähre fährt…
Reisen · 16. Februar 2024
Epischer Sonnenaufgang und eine Reise ans Ende der Welt
Wie bereits gestern geht Nicolas zur Blue Hour fotografieren in der Umgebung unserer Mini-Villa. Als sich abzeichnet, dass der Sonnenaufgang heute grandios werden wird, kommt auch Annina aus dem…
Reisen · 15. Februar 2024
Mini-Villa und Kaminfeuer
Nicolas steht heute Morgen bereits früh auf und geht bei Hamnøy fotografieren und filmen zur Blue- und Golden-Hour. Danach bereitet er uns Frühstück vor, welches wir zusammen geniessen. Wir packen…
Kommentare