Der Grosse Aletschgletscher ist der längste Eisstrom der Alpen. Wir haben ihn Ende Juli 2026 in zwei Tagen überquert, angeseilt in einer Gruppe von zwölf Personen mit unserem Bergführer Richie: Am ersten Tag vom Jungfraujoch zur Konkordiahütte, am zweiten über den Konkordiaplatz und den Gletscher hinunter zum Märjelensee und weiter zur Fiescheralp. Das ist keine Wanderung auf einem Weg, sondern eine Hochtour. Ohne Bergführer oder eigene Gletschererfahrung und die passende Ausrüstung geht man sie nicht.
Anreise und Treffpunkt
Wir haben in Grindelwald übernachtet. Von dort fährt der Eiger Express ab Grindelwald Terminal zur Station Eigergletscher, wo man auf die Jungfraubahn umsteigt. Sie endet auf dem Jungfraujoch auf 3454 Metern. Wir haben uns oben zuerst Zeit für die Aussichtspunkte und die Eisgrotte genommen. Auf dem Jungfraujoch war auch der Treffpunkt mit Richie. Er gab uns Steigeisen und Klettergurt, zeigte, wie man beides anlegt, erklärte das Seil und was zu tun ist, wenn jemand einbricht.
Tag 1: Jungfraujoch bis Konkordiahütte
Für diesen Teil haben wir rund dreieinhalb bis vier Stunden gebraucht. Zuerst geht es über den Firn, der Schnee war noch fest von der Nacht. Je weiter wir abstiegen, desto weniger Schnee lag, bis wir auf blankem Eis liefen, mit Spalten, Rinnen und geschliffenen Wellen. Richie suchte die Linie, wir folgten ihm in seinen Spuren.

Am Rand wird das Eis von Moräne und Steinschutt abgelöst. Über lose Blöcke kommt man zum Fuss der Treppe, die an der Felswand zur Konkordiahütte hinaufführt. Es sind gut 550 Stufen. Als die Hütte gebaut wurde, lag sie fast auf Höhe des Eises, heute steht sie weit darüber, und die Treppe wurde immer wieder verlängert. Mit schweren Beinen und dem Gletscher im Rücken ist dieser Aufstieg richtig abenteuerlich.

Die Hütte steht auf knapp 2850 Metern über dem Konkordiaplatz, wo vier Firnströme zum Grossen Aletschgletscher zusammenfliessen. Wir hatten ein Doppelzimmer mit Blick auf Jungfrau und Eiger. Zum Abendessen gab es Suppe, Couscous-Salat und Älplermagronen.
Tag 2: Konkordiahütte bis Fiescheralp
Um 05:00 Uhr klingelte der Wecker, um sechs standen wir wieder angeseilt auf dem Eis. Die ersten Sonnenstrahlen trafen nur die Grate über uns, unten liefen wir noch im Schatten.

Der Weg führt lange den dunklen Mittelmoränen entlang den Gletscher hinunter. Die Distanzen sind schwer einzuschätzen: Was nach einem kurzen Stück bis zur nächsten Felsnase aussieht, dauert eine halbe Stunde. Nach rund drei Stunden verliessen wir beim Märjelensee das Eis.

Vom Märjelensee wanderten wir weiter zur Fiescheralp. Von dort fährt die Seilbahn nach Fiesch, und mit dem Zug waren wir am Abend wieder in Basel.
Warum es hier kein GPX gibt
Über den Gletscher gibt es keinen markierten Weg, und in OpenStreetMap ist dort auch keiner eingetragen. Die Spur wählt der Bergführer jeden Tag nach Schnee, Spalten und Wetter. Die Karte zeigt deshalb über das Eis keine Linie, sondern nur die nummerierten Wegpunkte. Eingezeichnet ist nur der Hüttenweg vom Gletscher zur Konkordiahütte, der als Weg kartiert ist. Vom Märjelensee führen mehrere markierte Wege zur Fiescheralp. Auch dieses letzte Stück zeigt die Karte nur mit seinen Wegpunkten.