Die Whaligoe Steps sind eine Treppe aus Steinplatten, die bei Ulbster an der Ostküste von Caithness in Zickzacks eine fast senkrechte Klippe hinunterführt. Unten liegt Whaligoe Haven, eine schmale Bucht, die laut Undiscovered Scotland auf drei Seiten von 250 Fuss hohen Klippen umgeben ist, rund 76 m.
Wir waren am 5. April 2023 dort. Nach Dunrobin Castle fahren wir zu den Whaligoe Steps, denn laut unserer Gastgeberin besteht dort die Chance, Orcas zu sehen. Orcas bekommen wir leider keine zu Gesicht, aber es ist trotzdem ein tolles Erlebnis, die Klippen und das unter uns tosende Meer zu sehen. Unser Beitrag erzählt den Abstieg nicht, wir sind aber fast bis ans Meer hinuntergestiegen, bis zu einem Aussichtspunkt. Dort ist auch das Titelbild entstanden. Wo wir geparkt haben und wie lange wir unterwegs waren, haben wir nicht festgehalten. Karte, Zahlen und GPX zeigen die ganze Treppe vom Parkplatz bis zur Bink am alten Hafen und auf demselben Weg zurück.
Parken und Einstieg
An der A99 weist laut Undiscovered Scotland kein Schild auf Whaligoe hin. Man achtet auf eine unscheinbare Kreuzung, an der ein Schild landeinwärts zum Cairn o’ Get zeigt, und nimmt die Strasse auf der anderen Seite. Sie führt an einer Reihe von Fischerhäusern vorbei zu einem asphaltierten Parkplatz. Laut OpenStreetMap ist das Parken gratis, dort zuletzt im Juli 2026 geprüft. Der Anwohnerblog Whaligoe Eye beschreibt den Platz als Parkplatz für die Anwohner mit elf Plätzen. Laut dem John O’Groat Journal von 2021 sind die Plätze der Häuser markiert, dazu kommt ein Bereich für Besucher. Toiletten gibt es keine. Im Sommer 2021 war der Platz oft überfüllt, und manche Besucher stellten sich auf die Plätze der Anwohner.
Zur Treppe biegt man laut Walkhighlands kurz vor dem Parkplatz links ab, zu einem grossen Haus mit ummauertem Garten. Dort geht man nach rechts, der Mauer entlang, und dann links an der Vorderseite des Hauses vorbei. Danach steht man oben an der Treppe. Laut Undiscovered Scotland geht man dabei an einer Stelle praktisch durch einen fremden Garten. Die Treppe liegt laut Whaligoe Eye auf privatem Grund, mit öffentlichem Zugangsrecht.
Die Treppe
Laut Undiscovered Scotland sind die Stufen gut abgestuft und meist gut unterhalten, bei Nässe empfiehlt die Seite aber grosse Vorsicht. Auf der Seeseite steht fast überall eine niedrige Steinmauer. Auf dem letzten Abschnitt fehlt sie, dort merkt man, wie ausgesetzt die Treppe ist. Einen Handlauf gibt es laut OpenStreetMap nicht. Walkhighlands warnt vor sehr steilen Stufen mit ungesicherten, senkrechten Abbrüchen zum Meer, Venture North stuft die Treppe als anspruchsvoll ein. ScotWays hält sie für ungeeignet für kleine Kinder und alle, die unsicher auf den Beinen sind, und rät von Hunden ab. An jeder Ecke liegt laut ScotWays ein grosser flacher Stein auf Hüfthöhe. Darauf konnten die Frauen ihre Lasten abstellen, wenn sie Fässer mit gesalzenem Hering auf dem Rücken hinauftrugen.
Wie viele Stufen es sind, sagen die Quellen verschieden. Laut Undiscovered Scotland sprechen die Leute vor Ort von 365 Stufen, die staatliche Denkmalkommission RCAHMS von 330. Laut ScotWays sind es heute nicht mehr als 337. In OpenStreetMap ist die Treppe in zwei Stücken mit 25 und 307 Stufen eingetragen, zusammen 332.
Unser Track misst vom Parkplatz bis zur Bink 0.23 km, hin und zurück 0.47 km. ScotWays gibt ab der A99 0.3 km an. Der Parkplatz ist mit 72 m der höchste Punkt. Für die lange Treppe mit den 307 Stufen kennt das Höhenmodell EU-DEM keine Höhe, es zählt die Klippe dort schon zum Meer. Unser Track setzt die Bink deshalb auf Meereshöhe und verteilt den Abstieg gleichmässig über diese Treppe. Das ist eine Annahme: Von der Bink führen noch Stufen weiter hinunter, der echte Abstieg ist also wohl etwas kleiner als die rund 69 m, die unser Track je hinunter und wieder hinauf zählt. Laut ScotWays steigt die Treppe knapp 250 Fuss aus dem Meer auf, rund 76 m. Eine Gehzeit nur für die Treppe haben wir nirgends gefunden. Walkhighlands rechnet für 3 km zum Kammergrab Cairn of Get und die Treppe hinunter mit 1 bis 1.5 Stunden.
Unten an der Bink
Am Fuss der Treppe liegt die Bink, laut Undiscovered Scotland eine künstlich angelegte Grasfläche, etwa so gross wie ein schmaler Tennisplatz. An einem Ende steht die Ruine eines Lagers für das Salz, mit dem der Fisch eingesalzen wurde. Am anderen Ende führen weitere Stufen hinunter auf einen Felsabsatz, den Neist. Auf der Bink sind noch der Kessel und die Feuerstelle zu sehen, an der Teer für Netze und Schwimmer erhitzt wurde, dazu die rostigen Reste einer Winde, mit der die Boote heraufgezogen wurden.
Der Name kommt laut Walkhighlands von Whale Geo, der Walbucht. Laut ScotWays ist die Nutzung der Bucht seit 1640 belegt, die Stufen sind 1769 zum ersten Mal erwähnt. Thomas Telford besichtigte den Ort laut Wikipedia 1786 und nannte ihn einen «schrecklichen Ort». 1814 lagen laut Wikipedia trotzdem 14 Heringsboote hier. Die Frauen nahmen den Fang aus und trugen Hering, Kabeljau, Schellfisch und Leng in Körben die Treppe hinauf und zu Fuss weiter nach Wick, um ihn dort zu verkaufen. 1920 fischten laut Undiscovered Scotland noch fünf Boote von Whaligoe aus, nach Lachs, 1946 zwei, und in den 1960er-Jahren hörte das letzte auf.
Laut Wikipedia halten Freiwillige die Treppe seit 1998 instand. Zurück geht es auf denselben Stufen hinauf, laut Undiscovered Scotland ein mühsamer Aufstieg.