Der Hesten («das Pferd» auf Norwegisch) ist ein 556 Meter hoher Gipfel über dem kleinen, abgelegenen Ort Fjordgård auf Senja. Wir sind ihn im September 2022 an unserem letzten Tag auf Senja gegangen, und zwar wegen der Sicht auf den Segla. Vom Gipfel aus sieht man, wie dieser Berg steil zum Meer abfällt, und das Motiv gehört zu den bekanntesten auf Senja. Der Weg ist kurz, wird nach oben aber immer anspruchsvoller und endet mit einer Kletterei über eine steile Felswand.
Nach Fjordgård sind wir von unserer Unterkunft zwei Stunden gefahren, obwohl die Orte eigentlich nahe beieinander liegen. Die direkte Strasse war wegen der Lawinenverbauungen gesperrt, und wir mussten einen grossen Umweg fahren. Unterwegs haben wir noch am Aussichtspunkt Tungeneset angehalten. Wo genau wir in Fjordgård geparkt haben, haben wir nicht festgehalten. Laut Outdooractive beginnt der Weg am Fuss des Skihangs neben einem Unterstand aus Holz. Dort hat es nur wenig Platz, ein Parkplatz oberhalb der Schule liegt etwa zehn Minuten zu Fuss entfernt. Auf OpenStreetMap ist in Fjordgård zudem ein Parkplatz mit Gebühr eingetragen. Ob die Gebühr heute so gilt, haben wir nicht geprüft.
Laut ut.no geht man vom Dorf zuerst die Strasse Segla hinauf und dann weiter den Skihang hoch. Der Weg ist markiert und quert ein paar Bäche, weiter oben wird er steiler und steiniger. Laut Outdooractive führen am Skihang Holzstege über den nassen Boden. Auf einem Sattel zwischen Hesten und Stavelitippen zweigt der Weg zum Stavelitippen ab. Auf unserem Track liegt diese Abzweigung nach gut 1.5 km auf rund 440 Metern. Von dort sind es noch etwa 400 Meter Weg und gut 110 Höhenmeter bis zum Gipfel.
Bei uns begann der Aufstieg harmlos, mit immer schöneren Ausblicken auf den Fjord und die Berge. Je höher wir stiegen, desto mehr vom Segla war zu sehen.
Danach wurde die Wanderung zunehmend anspruchsvoller. Auf den letzten 50 Metern vor dem Gipfel mussten wir eine ziemlich steile Felswand hochklettern. Wir waren kurz davor abzubrechen, als wir andere Wanderer trafen. Sie sagten uns, dass es nicht mehr weit sei und sich die Aussicht oben wirklich lohne. Also fassten wir Mut und kletterten an der Felswand weiter bis nach oben.
Oben standen wir 556 Meter über dem Meer und hatten in alle Richtungen eine weite Aussicht. Am eindrücklichsten ist der Blick auf den Segla, der vom Grat senkrecht ins Wasser stürzt. Auf der anderen Seite sieht man über die Zacken des Hesten hinaus aufs offene Meer, und in einer Senke liegt ein kleiner See. Wir haben uns ins Gipfelbuch eingetragen und fotografiert. Lange blieben wir nicht, denn wir hatten noch eine lange Fahrt vor uns und waren etwas besorgt, wie wir heil wieder hinunterkommen.
Hinunter geht es auf demselben Weg. Es ging alles gut, aber einige Passagen kosteten Überwindung, weil ein paar Steine locker sind und das Gelände stark abfällt. Etwas weiter unten, auf sichererem Terrain, haben wir gepicknickt. Nach etwas mehr als vier Stunden waren wir zurück am Parkplatz, Gipfelpause und Picknick eingerechnet.

Outdooractive und ut.no nennen als Saison das ganze Jahr, Outdooractive rät im Winter aber wegen Eis vom Gipfel ab. Laut Arctic Norway ist der Schnee auf Senja um Mitte Juni an den meisten Orten weg, im September kann auf den Gipfeln schon wieder Schnee liegen. Wir waren Anfang September oben, bei schönem Wetter, und am Grat des Segla war der Bewuchs schon herbstlich rot. Nach der Wanderung lagen noch dreieinhalb Stunden Fahrt bis Narvik vor uns.